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Inkasso heißt Verantwortung

Inkasso heißt Verantwortung

Kirsten Pedd, BDIU-Präsidentin, über die Gründe, warum der Inkassoverband eine strenge Selbstregulierung praktiziert.

Nein, auch den Mitgliedern und den Funktionsträgern des BDIU bleibt natürlich die mediale Berichterstattung zu den »schwarzen Schafen« der Inkassobranche nicht verborgen. Wie auch, denn sie ist – mal mehr, mal weniger, aber fast regelmäßig – Inhalt diverser Veröffentlichungen.

Fast immer wird sehr plastisch anhand eines Einzelschicksals von vermeintlichem oder tatsächlichem Fehlverhalten eines »Inkassounternehmens« berichtet. Oft wird aus solchen Einzelfällen ein generelles Statement abgeleitet, das seine Rechtfertigung daraus zieht, dass man vom Einzelnen vermeintlich auf das Gesamte schließen darf, ganz nach dem »Grundsatz«: Wenn es einer macht, machen es alle. Keiner käme auf die Idee, diese »Formel« auf andere Branchen anzuwenden, in deren Mitte sich mit Sicherheit auch der eine oder andere befindet, der nicht adäquat handelt.

Nun ist es in Zusammenhang mit der Inkassobranche oft noch so, dass über die berichtet wird, die tatsächlich kein Inkasso ausüben dürften, weil sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen schlicht nicht erfüllen. Oder es sind Unternehmen, die in Anwendung ihrer Tätigkeit geltends Recht ignorieren oder zu ihren Gunsten zu weit auslegen – also Unternehmen, deren Handeln der BDIU selber aufs Schärfste ablehnt und Allianzen sucht, um ein derartiges Treiben zu unterbinden. Das ist ein langer Weg, aber wir gehen ihn weiter. Der Dialog, den wir bisher mit sehr vielen darüber geführt haben, lässt uns optimistisch in die Zukunft sehen.

Der BDIU begreift sich als selbstregulierender Verband. Das bedeutet, er sorgt dafür, dass solche Unternehmen erst gar nicht Mitglieder werden. Darüber hinaus hat er Möglichkeiten, diejenigen Mitglieder, von denen bekannt wird, dass sie sich nicht satzungskonform verhalten, auszuschließen, was er bereits mehrfach in die Tat umgesetzt hat. Die Mitgliedschaft im BDIU gilt als Qualitätsmerkmal – und das soll so bleiben. Das ist Ansporn und Verpflichtung gleichermaßen.

Das Präsidium des BDIU nimmt sich bei Aufnahmeanträgen viel Zeit für die Prüfung, ob die Voraussetzungen einer Mitgliedschaft erfüllt sind. Ein beeindruckender Internetauftritt oder die Verlockung eines Mitgliedsbeitrags waren, sind und werden niemals Ausschlag geben für ein positives Votum des Präsidiums.

Und es kommt sogar vor, dass dieses Votum von der Lebens- und Berufserfahrung der Präsidiumsmitglieder getragen wird, sodass erkennbare Differenzen zwischen unserer Berufsauffassung und derjenigen des Antragsstellers dazu führen, dass mit »nein« gestimmt wird.

Die Satzung des BDIU legt dafür klare und strenge Maßstäbe an. Die Pflichten für BDIU-Mitglieder gehen über die gesetzlichen Mindestregeln für Rechtsdienstleister hinaus und stellen eine bewusste Selbstbindung der Verbandsmitglieder bei der Berufsausübung dar. Jedes Mitglied hat seinen Beruf redlich, gewissenhaft und ordnungsgemäß auszuüben und die ihm anvertrauten Mandate in sachlich angemessener Weise unter Wahrung der Rechte des Schuldners zu vertreten. Erkennt ein Mitglied, dass einzuziehende Forderungen ganz oder teilweise rechtsunwirksam oder auf sittenwdrige Weise zustande gekommen sind, so darf es für den Auftraggeber bei deren Einziehung nicht tätig sein.

Wir prüfen vor jeder Aufnahme, ob das Unternehmen sich an diese strengen Maßstäbe hält und ob es Hinweise gibt, dass es in der Vergangenheit gegen diese Regeln verstoßen hat. Auch tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten bestehender Mitgliedsunternehmen wird stets einer genauen Prüfung unterzogen.

Nun muss man realistisch sein. Der Verband ist natürlich nicht dazu in der Lage, als Revision für fast 600 Unternehmen zu agieren – unabhängig davon, dass er das weder kapazitär könnte noch darf. Aber er kann und muss dann aktiv werden, wenn ihm über Beschwerden von Schuldnern oder sonstigen Personen bekannt wird, dass es prüfungsrelevante Sachverhalte gibt.

Die Satzung gibt hierfür klare Schritte vor, die mit der Einholung einer Stellungnahme des Mitglieds beginnen und mit dem Ausschluss enden können. Dazwischen liegen häufig Gespräche und Besuche beim Mitgliedsunternehmen, Rücksprachen beim Beschwerdeführer, Einschaltung des verbandsinternen Rechtsausschusses oder des Ombudsmanns und final die weitere Entscheidung einer Ahndung des Verhaltens.

Damit nutzt der Verband insgesamt deutlich mehr und schärfere Sanktionsmöglichkeiten, als es aktuell die aufsichtsführenden Registrierungsbehörden bei unseriöse agierenden Firmen machen, die Forderungen einziehen, es aber gar nicht dürften. Klar ist: Inkasso ist beileibe kein rechtsfreier Raum. Schon die Aufnahme der Tätigkeit ist vom Vorliegen gesetzlich vorgeschriebener Voraussetzungen abhängig udn ihre Ausführung unterliegt geltendem Recht.

Der BDIU ist in Sachen Selbstregulierung nach innen strenger, als der nun geneigte Kritiker vielleicht glaubt, denn er wird an diesem Verhalten gemessen – und die im Verband organisierte Branche ebenfalls. Der BDIU ist überzeugt davon, dass diese Selbstregulierung ein probates Mittel ist, um den Verband optimal zu führen und seine Mitglieder bestmöglich zu vertreten.

Darüber hinaus ist der BDIU aber auch dialogbereit und kritikfähig, zum Beispiel wenn es darum geht, absolut legale Inkassomaßnahmen zu diskutieren, die trotz rechtlicher Zulässigkeit kritisiert werden – aus nachvollziehbaren Gründen oder schlicht ideologisch intendiert.

Am Anfang stehen für uns immer das Gespräch und zumindest der Versuch, die Zusammenhänge zu verstehen.

Die Mitglieder des Inkassoverbands und alle meine ehrenamtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen gehen gern in eine kritische Diskussion, die fair geführt wird. Ihnen ist ein auf Tatsachen basierender und zielorientierter Austausch wichtig. Nur der hilft übrigens auch denen, für die sich Politik, Verbraucherschutz und die Presse einsetzen wollen, nämlich den Verbrauchern.

»Tue Gutes und rede darüber.« Das gilt auch für uns als Branche und Verband. Wir werden über unsere Selbstregulierung zukünftig mehr kommunizieren und auch diesbezüglich transparenter werden. Das hilft dann auch Dritten, ihre Wahrnehmung von der Inkassobranche sachlicher einzuordnen.

Kirsten Pedd steht für einen offenen Austausch über die Arbeit von Inkassounternehmen.