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Zahlungsmoral-Trend

Inkasso-Umfrage: Überschuldung von Verbrauchern setzt Gläubigern zu – Jeder Zehnte kann Rechnungen nicht pünktlich bezahlen

Berlin, 6. Dezember 2017 – In ihrer aktuellen Trendumfrage melden 81 Prozent der Inkassounternehmen, dass Verbraucher Rechnungen genauso gut oder sogar besser bezahlen als zu Jahresbeginn. Aber die Branche macht auch negative Erfahrungen. „Vor allem junge Verbraucher – die ja die guten Kunden von morgen sein sollten – gehören tendenziell zu den schlechten Zahlern“, berichtet Marion Kremer, Vizepräsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU). 38 Prozent der Inkassounternehmen beobachten, dass Verbraucher zwischen 18 und 24 Jahren Rechnungen nachlässiger begleichen als Ältere.

„Viele Jüngere sind bereit, sich für die Erfüllung kurzfristiger Konsumwünsche zu verschulden. Sei es, weil die Augen größer sind als der Geldbeutel oder weil man im Freundes- oder Bekanntenkreis vermeintlich ‚mithalten‘ will“, so Kremer. Vier Fünftel der Inkassounternehmen nennen zu hohe Konsumausgaben als Grund, warum junge Verbraucher in den Miesen sind, direkt gefolgt von einem zu gering ausgeprägten Sinn für wirtschaftliche Eigenverantwortung (68 Prozent), einem schlechten Vorbild durch das eigene Elternhaus (67) und zu wenigen Kenntnissen über vertragliche Verpflichtungen, etwa bei Onlinegeschäften (64).

Der Wirtschaft muss das Sorge bereiten. Denn trotz guter Konjunktur steigt die Zahl überschuldeter Verbraucher. Für ihren „Schuldneratlas“ meldete jüngst Creditreform, dass 6,9 Millionen Deutsche und damit jeder zehnte Erwachsene nachhaltige Zahlungsstörungen haben – das sind 0,9 Prozent mehr als 2016. 76 Prozent der BDIU-Mitglieder berichten in ihrer Umfrage, dass Überschuldung der Grund ist, warum Privatschuldner Rechnungen nicht bezahlen. Kremer: „Mündige Verbraucher benötigen ein umfassendes finanzielles Basiswissen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sich vor Überschuldung zu schützen. Die Schulen und die beruflichen Ausbildungseinrichtungen sollten ihnen dazu eine Grundausstattung an praktischem Finanzwissen liefern.“

Häufige Gläubiger junger Erwachsener sind Onlinehändler, wie 81 Prozent der Inkassounternehmen melden. Ihre weiteren Gläubiger sind demnach Telekommunikationsunternehmen (76) und Fitnessstudios (67).

Erwachsene Schuldner (25 bis 59 Jahre) haben dagegen vor allem Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Kreditinstituten (83), Energieversorgern (59) und Telekommunikationsunternehmen (57).

Bei Senioren (60 Jahre und älter) stehen ebenfalls Banken und Kreditinstitute an erster Stelle (74), gefolgt von Gesundheitsausgaben (67) und Energieversorgern (59 Prozent).

Inkasso-Umfrage: Zahlungsmoral zum Jahresende 2017 weiter verbessert – Firmenpleiten fallen auf niedrigsten Stand seit 1994

Berlin, 29. November 2017 – Die Zahlungsmoral-Ampel steht weiterhin auf grün. Zum Jahresende berichten 66 Prozent der Inkassounternehmen, dass Rechnungen genauso gut bezahlt werden wie noch Anfang 2017. 23 Prozent melden sogar, dass die Zahlungsmoral der Verbraucher und der Unternehmen erneut besser geworden ist. Dazu hat der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), Berlin, jetzt seine 560 Mitgliedsfirmen befragt.

Grund für den erfreulichen Trend ist ein Dreiklang aus guter Konjunktur, geringer Arbeitslosigkeit und einem investitionsfreundlichen Finanzierungklima, das von niedrigen Zinsen geprägt ist.

Parallel zur Aufwärtsbewegung bei der Zahlungsmoral schmilzt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ab. Deren Rückgang setzt sich weiter fort – bis Ende 2017 rechnen die Inkassounternehmen mit rund 20.500 Verfahren (2016: 21.518). Nächstes Jahr könnten die Pleiten laut BDIU-Prognose sogar unter die 20.000er-Marke fallen, zum ersten Mal seit 1994.

„Voraussetzung dafür sind allerdings wirtschaftliche und politische Stabilität“, so BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd. „Wir hoffen, dass es den Parteien nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen jetzt schnell gelingt, eine neue Bundesregierung zu bilden. Eine hohe Zahlungsmoral entwickelt sich nur, wenn die Konjunktur stabil läuft und die Politik dafür als zuverlässiger Kompass die Orientierung gibt.“

Der aktuell positive Zahlungsmoral-Trend ist laut den Umfragen der Inkassowirtschaft seit 2010 ungebrochen. Auch für 2018 erwarten 77 Prozent der Inkassounternehmen eine unverändert gute Rechnungstreue.

Kirsten Pedd warnt allerdings vor Sorglosigkeit: „Liquiditätsengpässe durch Zahlungsverzögerungen oder gar vollständige Forderungsverluste stellen Unternehmen nach wie vor auf die Probe. Vor allem im Online- und Versandhandel gibt es einige schlechte Kunden, die es darauf anlegen, sich um ihre Zahlungsverpflichtungen herumzudrücken und Gläubiger so zu schädigen.“

Hauptgrund, warum Verbraucher Rechnungen derzeit nicht wie vereinbart begleichen, ist Überschuldung. 76 Prozent der Inkassounternehmen melden das. Besonders oft stellen die Inkassofirmen aber auch ein unkontrolliertes Konsumverhalten (66 Prozent) sowie ein vorsätzliches Nichteinhalten von Zahlungsverpflichtungen (48 Prozent) als Ursache fest, warum Unternehmen auf das ihnen zustehende Geld von Verbrauchern warten müssen.

Die Inkasso-Umfrage belegt, dass das vor allem konsumintensive Branchen trifft. 55 Prozent der Inkassounternehmen melden, dass der Onlinehandel Schwierigkeiten hat, das Geld seiner Kunden pünktlich zu erhalten. Jeder Zweite in der Umfrage (50 Prozent) nennt zudem Energieversorger. Weitere Problembranchen sind demnach das Handwerk (44 Prozent), Betreiber von Fitnessstudios (44) und Vermieter (32).

Kaum Probleme hat derzeit dagegen der Groß- und Außenhandel (3 Prozent).

Auf die Frage, warum gewerbliche Schuldner Rechnungen nicht wie vereinbart bezahlen, nennen 67 Prozent der Inkassounternehmen einen vorübergehenden Liquiditätsengpass. 52 Prozent beobachten hohe Zahlungsausfälle innerhalb der eigenen Kundschaft als Ursache. Verfügt das Unternehmen dann auch nur über ein schwaches betriebliches Forderungsmanagement, drohen Liquiditätsengpässe, die es ihm erschweren, eigene Zahlungsverpflichtungen rechtzeitig zu erfüllen – der Dominoeffekt bei der Zahlungsmoral.