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Die Pro7-Märchenstunde – ein Kommentar zum „Galileo“-Beitrag über „Moskau Inkasso“ von Montagabend

Berlin, 22. Januar 2013 – Im Fernsehen war gestern Abend wieder einmal die „Pro7-Märchenstunde“ angesagt. Dabei sollte es in der 19-Uhr-Sendung von „Galileo“ eigentlich um das Thema Inkasso gehen. Aber anstatt den wirklichen Alltag von Inkassounternehmen zu zeigen, wurde den Zuschauern eine unglaubwürdige Räuberpistole aufgetischt – gedreht wie eine schlechte Agentenstory, in der alle Akteure nur Vor-, aber keine Nachnamen haben, die Kamera schummerige Wackelbilder liefert und Laiendarsteller auswendig gelernte Sätze aufsagen. 

 

Im Mittelpunkt des Ganzen standen die Jungs und ein Mädel von „Moskau Inkasso“. Die männlichen Mitglieder dieser „Außendienst-Abteilung“ sollten dabei Eindruck machen, d.h. vermeintliche Schuldner einschüchtern und zum Zahlen „überzeugen“, während ihre junge Kollegin die Rolle der – so die Stimme aus dem Moderations-Off – „Venusfalle“ übernimmt und als angebliche Paketbotin an Schuldner-Türen klingelt.

Welcher gescheiterte Krimi-Autor sich auch immer diese hanebüchene Geschichte ausgedacht haben mag, sie wird einfach nicht besser. Da ist zum Beispiel „Rainer“, den die Moskau-Außendienstler in der Lobby eines Hotels am Rande Hannovers treffen. In konspirativer Atmosphäre klagt „Rainer“, dass er von einem zwielichtigen Finanzberater um immerhin 450.000 Euro geprellt worden sei. Zwar habe er nur 225.000 Euro davon selbst investiert. Der Berater habe ihm aber versprochen, diese Summe durch „Trading“ zu verdoppeln. „Extrem gefährlich“ sei dieser Finanzberater – wobei die eigene Dummheit eines vermeintlichen Gläubigers, der vor allem an das Märchen der wundersamen Geldvermehrung glaubt, doch wohl als weitaus gefährlicher einzustufen sein dürfte. 

Es fragt sich auch, für wie dumm Pro7 seine Zuschauer eigentlich hält, denen der Sender ernsthaft verkaufen will, dass es sich bei diesen Fällen um den ganz normalen Alltag von Inkassounternehmen handelt. Die Wahrheit wird völlig verdreht. Mit Inkasso hat das nichts zu tun. 

Richtig ist: Inkasso ist in Deutschland eine gesetzlich geregelte Rechtsdienstleistung. Inkassounternehmen müssen im Rechtsdienstleistungsregister registriert sein (siehe: www.rechtsdienstleistungsregister.de). Alle Inkassounternehmen unterliegen der Aufsicht durch die für die Registrierung zuständigen Gerichte. Nur wer strafrechtlich unbescholten ist, in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt und umfassende Kenntnisse in den inkassorelevanten Rechtsgebieten nachweisen kann (etwa durch mindestens ein erstes juristisches Staatsexamen oder durch erfolgreiches Absolvieren eines Sachkundelehrgangs), darf Inkassodienstleistungen anbieten und durchführen. Wenig überraschend ist es also, dass „Moskau Inkasso“ über keine solche Registrierung verfügt. 

Das Drohen mit oder gar das Anwenden von Gewalt sind streng verboten! Wer das tut oder billigend in Kauf nimmt, kann sich strafbar machen, Auftraggeber übrigens genauso wie die vermeintlichen „Inkassospezialisten“. 

Der Gipfel der Unverschämtheit ist allerdings der Schluss des „Galileo“-Berichts. Nach einem unangemeldeten Besuch bei einem Schuldner ruft dieser die Polizei. Die aber zeigt nach kurzer Diskussion angeblich „Verständnis“ für die Jungs von „Moskau Inkasso“, die ankündigen, bald wiederzukommen, um ihre Forderung – so wörtlich – zu „vollstrecken“. Vollstrecken aber, werte Pro7-Redaktion, darf in Deutschland nur der Gerichtsvollzieher.

Liebe Zuschauer: Wenn Sie Probleme mit „Moskau Inkasso“ und Co. haben, sollten Sie umgehend die Behörden und die Polizei informieren, die mit Sicherheit KEIN Verständnis für solche Machenschaften zeigen werden. Wehren Sie sich! Und noch ein Rat: Glauben Sie nicht alles, was im Fernsehen gezeigt wird – speziell nicht in Sendungen wie „Galileo“.