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Glosse: Gnadenlos einseitig – Replik auf einen Artikel in der »WELT«

Berlin, 8. Dezember 2014 - „So gnadenlos sind die neuen Methoden beim Inkasso“, heißt es heute in einem auf „Welt online“ verbreiteten Artikel. „Gnadenlos" ist an diesem Artikel wirklich so einiges. Vor allem ist er gnadenlos einseitig und schlecht recherchiert.

Der Autor beklagt allen Ernstes, dass Menschen, die eine Rechnung vergessen haben, in Verzug sind und bereits mindestens einmal gemahnt worden sind, Post von einem Inkassounternehmen bekommen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Denn was bitteschön würde passieren, wenn dem nicht so wäre?

Man stelle sich einmal vor, das Nichtzahlen von Rechnungen würde völlig von Sanktionen befreit. Man könnte also munter drauflos shoppen, Waren und Dienstleistungen einfordern und diese konsumieren, ohne die vereinbarte Gegenleistung zu erbringen. Das Zahlungsziel auf der Rechnung, das Limit der Kreditkarte oder der Dispo auf dem Konto würden dann als freundlicher Hinweis verstanden – den man zwar netterweise beachten darf, aber wenn nicht ... nun ja, man wird doch mal etwas vergessen dürfen! Wer wird sich darüber denn schon aufregen wollen, das bringt doch keinen Gläubiger um ...

Was heißt das aber wirklich für die Gläubiger, zum Beispiel die Verkäufer von Waren? Sie haben die Ware, die sie an ihren nun säumigen Kunden geliefert haben, auf eigene Kosten hergestellt oder selbst von einem Lieferanten bekommen. Den müssen sie natürlich bezahlen. Täten sie das nicht, würden sie selbst schnell auf dem Trockenen sitzen, denn vom diesem Lieferanten würden sie nichts mehr bekommen. Der Gläubiger hat weitere eigene Kosten, die er begleichen muss: Miete für Lagerhallen und Büros; Strom, Heizung und Warmwasser kommen auch nicht als milde Wohltat des Vermieters, sondern müssen selbstverständlich beglichen werden. Ach ja, und da sind auch noch die Beschäftigten, die auf ihren Lohn warten. Bekommt der Gläubiger aber kein Geld vom Schuldner, ist das alles in Gefahr. Vielleicht zahlt er irgendwann, wenn er will, er hat ja keinen Verzugsschaden zu befürchten - aber der Gläubiger ist zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon selbst in Zahlungsschwierigkeiten und muss im schlimmsten Fall sogar ein Insolvenzverfahren beantragen. 

Inkassounternehmen und Rechtsanwälte helfen in diesen Fällen. Und beide – Unternehmen wie Anwälte – erbringen hier eine Dienstleistung, für die sowohl kaufmännische Expertise als auch juristisches Fachwissen zwingend erforderlich sind. Die Kosten dafür sind Teil des Verzugsschadens, den der Verursacher dem Geschädigten erstatten muss, genauso wie derjenige, der mir mein Auto kaputt fährt, die Reparatur-, Gutachter- und Anwaltskosten erstatten muss.

Der Gesetzgeber hat 2013 Inkassokosten gegenüber Verbrauchern maximal auf die vergleichbaren Rechtsanwaltskosten gedeckelt. Das soll Abzocke sein? Nein, das ist gerecht, einfach und klar. Wer diese Kosten nicht zahlen will, der kann das vermeiden, indem er seine Rechnungen pünktlich und wie vereinbart begleicht.

Jedes Jahr führen Inkassounternehmen über fünf Milliarden Euro an berechtigten Forderungen an Unternehmer und die öffentliche Hand zurück. Das schützt Arbeitsplätze, sichert unternehmerische Existenzen und trägt ganz erheblich zur Preisstabilität auch für die Verbraucher bei, denn jeder müsste das Geld bezahlen, das Firmen ansonsten zur Deckung ihrer Forderungsausfälle auf ihre Preise aufschlagen müssten. 

Inkasso ist also unverzichtbar. Ob dasselbe für Artikel wie den in der „Welt“ gilt, sollen die Leser selbst entscheiden.