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»Mache Gläubiger zu Freunden!«

»Mache Gläubiger zu Freunden!«

Einer der bekanntesten Zahlungsmuffel der Welt war Honoré de Balzac. Der Literat machte aus seiner Not eine Tugend und verfasste einen Ratgeber für clevere Schuldner. Lesen Sie hier unsere Rezension.

Paris, in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Die Zeit des Poeten, Genussmenschen und Lebemanns Honoré de Balzac. Das berühmt-berüchtigte Schuldengefängnis Sainte-Pélagie schwebt wie ein Damoklesschwert über ihm. Der Respekt vor seinen Gläubigern und mehr noch: die Furcht vor den französischen Gerichtsvollziehern bestimmt sein Handeln, ist ihm Antrieb und Drohung zugleich.

Balzacs »Handbuch des Handelsrechts« aus dieser Zeit ist denn auch weniger Ratgeber als vielmehr Satire. In zehn Lektionen geht es um »Die Kunst, seine Schulden zu zahlen und seine Gläubiger zu befriedigen, ohne auch nur einen Sou selbst aus der Tasche zu nehmen«.

Schocklektüre für Inkassounternehmen?

Das Buch ist uns zufällig in die Hände gefallen – und hat gleich für Aufregung gesorgt. Was, wenn es von den falschen Leuten gelesen wird? Handelt es sich hier möglicherweise um einen Frontalangriff auf unseren Berufsstand – verfasst von einem der größten Denker französischer Sprache?

Für den Umgang mit Gläubigern hat Balzac eine einfache Faustregel parat: Bring ihn dazu, dass er um dein Wohlergehen »besorgt« ist. Schließlich will er dein Geld. »Wenn Ihnen [dem Schuldner] vielleicht der Einfall kommen sollte, diese Leute [die Gläubiger] zu bezahlen, dann würden Sie dieses Interesse ganz und gar vernichten.« Einem Gläubiger sein Geld zurückzahlen hieße »den Handel töten«.

Ein »Hoch« auf den Zechpreller!

Es scheint nur folgerichtig, dass beispielsweise der Schuldner im Restaurant, also der Zechpreller, moralisch gar nicht mal so verwerflich handelt, wie der naive und zahlungswillige Durchschnittsbürger bisher annehmen musste. Immerhin lockt der Zechpreller durch seinen Heißhunger und Appetit andere – zahlende – Gäste an und steigert somit sogar noch den Umsatz des Gastwirtes.

Raus aus den Schulden – aber wie?

Grundsätzlich rät der Autor den – sagen wir – nonmonetären Ausweg aus der Schuld. Man solle aus Gläubigern Freunde machen. Und zwar die Art von Freunden, die den Schuldner wirklich lieben und die zum Beweis ihrer Liebe stets bereit sind, neue Kredite oder zumindest Zahlungsaufschübe zu gewähren.

Berücksichtigt man die persönliche Lebenslage Balzacs und versteht das Augenzwinkern, mit dem das Buch geschrieben wurde, stellt es eine durchaus bereichernde Lektüre dar. Nicht nur für Gläubiger, Schuldner und Inkassodienstleister.

Diese Buchbesprechung können Sie ausführlich nachlesen in der Inkassowirtschaft Ausgabe 17/18 auf den Seiten 36 und 37.