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Cybercrime den Riegel vorschieben

Cybercrime den Riegel vorschieben

Wie man sich vor Betrug aus dem Netz schützt.

Das Bundeskriminalamt ist alarmiert. Mehr als 40 Millionen Euro an Schaden werden in Deutschland jedes Jahr durch den Missbrauch von Informationstechnologie – sprich: Cybercrime – verursacht. Tendenz: stark steigend.

Betroffen kann jeder sein, ob Unternehmen oder Verbraucher. Anfang des Jahres zum Beispiel erhielten mehrere Verbraucher merkwürdige Zahlungsaufforderungen eines Unternehmens aus Süddeutschland. Ein Beitrag von 254,50 Euro sollte jeweils auf ein Konto in Malta überwiesen werden. Angeblich lagen »gerichtsfeste« Gesprächsaufzeichnungen vor, laut denen die Empfänger telefonisch ein Gewinnspiel beauftragt hätten.

Klarer Fall: Das waren Betrugsversuche. Die Verbraucher hatten nie zuvor etwas von der angeblichen Gewinnspielfirma gehört. Stutzig machte sie aber, dass in den Schreiben sowohl ihre echten Geburtsdaten als auch ihre tatsächlich bestehenden Bankverbindungen genannt wurden. Wie hatten es die Betrüger geschafft, an diese sensiblen Daten zu kommen?

Kurios außerdem: Verschickt wurden die Fake-Mahnungen auf dem Briefpapier eines seriösen Inkassounternehmens, das Mitglied im BDIU ist. Viele irritierte Verbraucher riefen sofort bei dem Unternehmen an – das wiederum stellte unverzüglich Strafanzeige und klärte die Verbraucher auf, damit sie die Fälschung schnell und ohne Umstände erkennen konnten.

Wer genau hinschaute, wusste ohnehin sofort Bescheid. Weder die genannte Absenderadresse noch die auf den Briefen angegebene Handelsregisternummer passten zu dem Inkassounternehmen. Außerdem wimmelten die Schreiben von Rechtschreibfehlern. Trotzdem sahen sie bei einem nur flüchtigen Blick »echt« aus.

 

Die Daten aus dem »Dark Net«

Die Behörden gehen von organisierter Kriminalität aus mit mehreren Tätern, die aus dem Ausland agieren. Vermutlich hatten sie die Daten der Verbraucher – also neben der Adresse auch die Geburts- und Kontoinformationen – aus dem sogenannten Dark Net erworben, einem Bereich des Internets, der dem Zugriff von Ermittlungsbehörden weitgehend entzogen ist. Wie diese Daten wiederum ins Dark Net gelangen konnten, ist unklar. Hacker könnten durch Zugriff auf Webserver zum Beispiel von Online- oder Social-Media-Portalen an solche Informationen gelangt sein.

Problematisch ist auch das auf Malta – immerhin ein EU-Mitglied – geführte Bankkonto. Laut den Ermittlern handelt es sich um ein Sammelkonto eines Zahlungsunternehmens, das selbst mit den Tätern nicht in Verbindung steht. Erst über die Angabe des Verwendungszwecks konnten die Betrüger an die Zahlungen gelangen.

Wie aber können sich Verbraucher vor solchen Betrugsversuchen schützen? Der BDIU rät grundsätzlich dazu, Post von Inkassounternehmen genau zu prüfen. Am Anfang steht ein Check auf Plausibilität: Stimmt das, was die Firma von mir einfordert? Inkassounternehmen müssen auf der Mahnung genaue Angaben zur Forderung und zu ihrem Auftraggeber beziehungsweise dem Gläubiger machen. Ein weiterer Sicherheitstipp: Checken Sie, ob das Inkassounternehmen registriert ist. Das geht ganz einfach unter www.rechtsdienstleistungsregister.de, einem Portal der Landesjustizverwaltungen. Wer hier steht, darf Inkasso durchführen und hat sich damit auch der Kontrolle durch die zuständigen Registrierungsbehörden unterworfen. Die Anschrift der entsprechenden Behörde – je nach Bundesland sind das unterschiedliche Amts-, Land- oder Oberlandesgerichte – erfahren Sie auch mit Klick ins Rechtsdienstleistungsregister.

Manchmal sieht man ja auch auf den ersten Blick, dass mit dem Brief irgendetwas nicht stimmt. Wimmelt das Schreiben von Rechtschreibfehlern, spricht das ganz sicher nicht für die Seriosität des Absenders. Merkwürdig ist es auch, wenn im Briefkopf andere Absenderangaben gemacht werden als im Text der Mahnung.

Unbedingt misstrauisch sollte man dann sein, wenn, wie in diesem Fall, der Absender dazu auffordert, auf ein Konto im Ausland zu überweisen – erkennen lässt sich das an den ersten beiden Buchstaben der IBAN, wo »DE« für Deutschland steht.

 

Betrügern niemals antworten

Ist der Absender seriös, das heißt steht das Inkassounternehmen im Rechtsdienstleistungsregister, sollte man bei Zweifeln an der Forderung bei dem Inkassounternehmen nachfragen. Seriöse Firmen werden alles tun, um den dahinterstehenden Zahlungsanspruch so eindeutig und klar wie möglich darzulegen.

Ist das Schreiben dagegen ganz offensichtlich ein Betrugsversuch, rät die Polizei dringend davon ab, darauf zu antworten. Kommunikation mit Betrügern bringt nichts. Im Gegenteil: Sehen sie, dass jemand auf ihre E-Mails oder Briefe reagiert, werden sie weitere Versuche unternehmen, die Empfänger doch noch zur Zahlung zu bewegen.

Hier ist der unbedingte Rat: Gehen Sie mit den Schreiben zur Polizei und zeigen Sie den Betrugsversuch an. Nur so können die Behörden in die Lage versetzt werden, solchen Kriminellen das Handwerk zu legen.

 

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des BDIU-Magazins INKASSOWIRTSCHAFT.