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Wenn der Taschenrechner klemmt

Wenn der Taschenrechner klemmt

Stiftung Warentest verwirrt mit Aussagen über Inkassokosten

Ein wenig die Augen reiben muss man sich bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe von „test“. Die Zeitschrift gilt als Institution. Die Tipps der Stiftung Warentest können Produkte in Kassenschlager verwandeln – schlechte Tests dagegen haben schon manchen heftigen Umsatzeinbruch ausgelöst.

Wer so viel Macht beim Käufer hat, trägt eine hohe Verantwortung.

Im Moment stellt sich allerdings die Frage: Wie gut ist die Stiftung Warentest im Kopfrechnen?

In der Ausgabe 2/2019 (jetzt am Kiosk, u.a. werden Honig, Schulranzen und Sexspielzeuge getestet – echt wahr!) geht es ab Seite 84 um unseriöse Inkassoforderungen. Leser sollen aufgeklärt werden, damit sie nicht in teure Fallen tappen.

Aber ausgerechnet beim Thema Kosten geht es hier völlig durcheinander. Wie viel darf ein seriöses Inkassounternehmen von einem Schuldner verlangen? Ein hoch sensibles Thema, wie wir selbst nur allzu gut wissen. Sorgfältige Recherche wäre daher wichtig.

Konkret geht es um die Frage: Welche Gebühren für 500 Euro Hauptforderung sind fair? Eigentlich gibt es darauf eine klare Antwort. Die Redaktion von „test“ meint aber: höchstens 65 Euro. Begründung: Laut Rechtsanwaltsvergütungsgesetz könne man maximal 1,3 Prozent der Hauptforderung verlangen.

Moment mal, 1,3 Prozent von 500 Euro? Könnten wir zwar auch im Kopf ausrechnen, aber wir nehmen einfach mal unseren Taschenrechner in die Hand. Und der sagt eindeutig: Das macht 6,50 Euro.

Mathe? Sechs, setzen.  

Die eigentliche Frage ist aber: Wie kommt die Redaktion überhaupt auf „Prozent“? Grundlage zum Berechnen der Inkassokosten sind die Tabellen aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Darin stehen die jeweiligen Streit- bzw. Gegenstandswerte und die damit korrelierenden Wertegebühren. Das kann man ganz einfach in den RVG-Tabellen nachschauen (hier zum Beispiel). Für eine Hauptforderung von 500 Euro heißt das: Bei einer Regelgebühr von 1,3 RVG macht das Kosten in Höhe von 58,50 Euro. Plus Auslagenpauschale (auch das ist im Gesetz geregelt) ergibt das eine Summe von 70,20 Euro.

Das wäre korrekt.

Gerne hätten wir der Redaktion von „test“ das auch selbst erklärt. Leider hat sie uns nicht gefragt. (Warum eigentlich nicht? Wenn es ums Thema Inkasso geht, sollte man sich doch zuallererst bei www.inkasso.de informieren.) Jetzt ist es zu spät. Die falsche Info liegt tausendfach gedruckt, ist am Kiosk zu kaufen, und die Leser sind vermutlich völlig verwirrt. Sehr schade.

Also alles falsch in dem Artikel? Nein, denn die Warnung vor falschen Inkassobriefen ist leider absolut berechtigt. Und da gibt die Redaktion gute Tipps. Siehe dazu hier auch einen aktuellen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, der sehr gut beschreibt, wie man sich vor falschen Mahnungen schützt.

Natürlich kann die Redaktion der „test“ auch jetzt noch mit uns sprechen. Wir erklären jederzeit, wie seriöses Inkasso funktioniert. Diese Infos sind für Verbraucher wirklich wichtig – wir Profis stehen zur Verfügung.

Und vielleicht gibt’s in einer der nächsten Ausgaben einen Test der besten Taschenrechner? Könnte bestimmt nichts schaden. ;-)