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BDIU positiv überrascht: Insolvenzen gehen noch stärker zurück als erwartet – Insolvenzrechtsreform schafft finanzielle Planungssicherheit für Unternehmen

BDIU positiv überrascht: Insolvenzen gehen noch stärker zurück als erwartet – Insolvenzrechtsreform schafft finanzielle Planungssicherheit für Unternehmen

Berlin, 14. März 2017 –

Kirsten Pedd, Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), kommentiert die neuen Insolvenzzahlen des Statistischen Bundesamts von heute. 

  • Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist um 6,9 Prozent auf 21.518 zurückgegangen, wie heute das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat. Wie bewerten Sie diese Zahlen?

KIRSTEN PEDD: Das ist sogar noch besser als unsere Prognose vom Januar. Dass die Unternehmensinsolvenzen zum achten Mal in Folge zurückgehen, ist ein hervorragendes Zeugnis für die deutsche Wirtschaft!

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Forderungsverluste sind stark gestiegen, weil es zuletzt mehr wirtschaftlich bedeutende Firmen traf. Jede Insolvenz ist genau eine Insolvenz zu viel.

  • In welchen Branchen läuft es derzeit gut – in welchen nicht so?

KIRSTEN PEDD: Ein Indikator dafür ist die Zahlungsmoral. Kaum Probleme hat im Moment zum Beispiel das Gastgewerbe. Auch im Groß- und Außenhandel ist die Rechnungstreue gut. Anders ist die Lage dagegen im Onlinehandel. Fast jedes zweite Inkassounternehmen beobachtet, dass hier die Kunden schlecht zahlen. Leider lässt auch die Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber zu wünschen übrig. Darunter haben dann oft Handwerksbetriebe oder Baufirmen zu leiden.

  • Was sagen Sie zur Entwicklung der Verbraucherinsolvenzen?

KIRSTEN PEDD: Es gibt nach wie vor zu viele Verbraucherinsolvenzverfahren. Trotz Wachstum und trotz Rekordbeschäftigung gibt es einen Sockel an Überschuldung, der sich zu verfestigen droht. Das bereitet uns große Sorgen.

  • Sie engagieren sich in der Stephan-Kommission. Was ist das?

KIRSTEN PEDD: Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Gläubigervertretern und Schuldnerberatungen. Das Ziel ist, die Möglichkeit der außergerichtlichen Einigung zwischen Schuldnern und Gläubigern auszuloten und diesen Weg der Entschuldung zu stärken.

Die Kommission arbeitet nach einem Motto, das auch meines ist: Reden hilft. Gerade wenn man bei einer Sache unterschiedliche Interessen vertritt, ist ein gegenseitiger, vertrauensvoller Austausch wichtig. Nur so kann man vorankommen.

  • Bleibt es bei dem derzeit positiven Trend? Wie ist Ihre Prognose?

KIRSTEN PEDD: Wir sind weiterhin optimistisch, zumindest für die nächsten Monate. Zur guten Konjunktur kommt auch endlich die überfällige Insolvenzrechtsreform. Sie schafft höhere Rechtssicherheit für Gläubiger, indem sie der Praxis der teils noch nach zehn Jahren erfolgenden Vorsatzanfechtungen einen Riegel vorschiebt. Direkte oder indirekte Privilegien der Finanzämter sind damit ebenfalls vom Tisch – eine Forderung, die der BDIU im Übrigen schon seit Jahren stellt. Für Unternehmen sind das gute Nachrichten!

Was den Trend im nächsten Jahr betrifft, gibt es derzeit aber viele Unsicherheitsfaktoren, insbesondere international. Daher möchte ich dazu keine Prognose abgeben.

 

Über den BDIU
Dem Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen gehören 560 Unternehmen des Forderungsmanagements an. Gemeinsam führen sie der Wirtschaft pro Jahr rund 5 Milliarden Euro an ausstehenden Forderungen wieder zurück. Die über eine halbe Million Auftraggeber der Inkassounternehmen kommen aus allen Wirtschaftsbereichen und beschäftigen mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland.