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Schutz vor schwarzen Schafen

Schutz vor schwarzen Schafen

Berlin, 22. Februar 2013 –

Zahlen Kunden fällige Rechnungen nicht, kann ein Betrieb schnell ins finanzielle Schlingern geraten. Jetzt ist die Zusammenarbeit mit einem Inkassounternehmen gefragt. Gläubiger sollten dabei unbedingt auf die Vertrauenswürdigkeit des Dienstleisters achten. Wolfgang Spitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), erklärt Auftraggebern, woran sie seriöse Inkassounternehmen erkennen und wie sie sich vor schwarzen Schafen schützen können.

Wie sollten Gläubiger auf Phänomene wie „Moskau Inkasso“ reagieren? Wie steht der BDIU dazu?

Wolfgang Spitz: Inkasso ist eine seriöse Dienstleistung, auf die mehr als eine halbe Million Auftraggeber aus den unterschiedlichsten Branchen vertrauen – zum Beispiel dem Handwerk, dem Handel oder der Dienstleistungswirtschaft. Dabei verstehen sich Inkassounternehmen als Mittler zwischen Gläubiger und säumigem Zahler. Das Ausüben von Druck oder gar das Androhen von Gewalt, wie sie durch dubiose Anbieter wie „Moskau Inkasso“ suggeriert werden, hat nichts mit seriösem Inkasso zu tun, sondern kann eine strafbewehrte Handlung darstellen, mit den entsprechenden rechtsstaatlichen Konsequenzen. Auch Auftraggeber können sich übrigens dabei strafbar machen. Der BDIU ist in den vergangenen Jahren juristisch gegen das sogenannte „Inkasso Team Moskau“ vorgegangen und hat Recht zugesprochen bekommen. Erhalten wir Kenntnis von solchen illegalen  und höchst unseriösen Machenschaften, informieren wir sofort die zuständigen Behörden, damit diese handeln können. Zur Wahrheit gehört aber auch: Am Markt spielen solche Firmen keine Rolle. Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass „Moskau Inkasso“ tatsächlich derzeit Inkassodienstleistungen in Deutschland durchführen würde. Andererseits ist es allerdings erstaunlich, wie viele Medienberichte es zu dieser Firma gibt. Es scheint sich hier wohl eher um ein Marketingphänomen zu handeln.

Wie kann man als Unternehmer zwischen seriösen Inkassounternehmen und schwarzen Schafen unterscheiden?

Wolfgang Spitz:  Seriöse Inkassounternehmen benötigen laut Gesetzgeber eine Registrierung im Rechtsdienstleistungsregister. Erforderlich dafür sind strafrechtliche Unbescholtenheit und der Nachweis geordneter wirtschaftlicher Verhältnisse. Außerdem müssen sie theoretische und praktische Sachkunde im Forderungseinzug belegen, dazu gehören Kenntnisse im allgemeinen Teil des BGB sowie in typischen inkassorelevanten Rechtsgebieten wie dem Zwangsvollstreckungs-, Zivilverfahrens- und Insolvenzrecht oder dem Schuld-, Sachen-, Familien- und Erbrecht, um nur ein paar zu nennen. Alle registrierten Inkassounternehmen sind öffentlich auf einem gemeinsamen Internetportal der Landesjustizverwaltungen aufgelistet, siehe: www.rechtsdienstleistungsregister.de.

Eingezogene Gelder werden seriöse Inkassounternehmen immer auf von ihrem eigenen Vermögen getrennten Konten hinterlegen und umgehend an ihre Aufraggeber weiterleiten. Fragen zu Ihrer Arbeitsweise und zum Inkassoprozess werden sie ihren Kunden jederzeit und umfassend erläutern. Zudem sollten Auftraggeber auf die äußere Darstellung eines Inkassounternehmens achten. Wie ich bereits ausführte, beruht der Erfolg seriösen Inkassos auf einer Mittlerfunktion zwischen Schuldner und Gläubiger. Jeglicher Außendarstellung, die suggeriert, dass der Inkassoerfolg durch Einschüchterungen und Drohungen entstehen könnte, sollten potenzielle Auftraggeber mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen. Außerdem empfiehlt sich immer ein Blick in das Impressum der Webseite des Inkassodienstleisters. Dubiose Anbieter verzichten schon einmal gerne darauf, hier eine vor einem deutschen Gericht ladungsfähige Anschrift zu hinterlegen. Des Weiteren sollten aus den Impressumsangaben eindeutig die Registrierungsnummer sowie die zuständige Registrierungs- beziehungsweise Aufsichtsbehörde hervorgehen. Seriöse Inkassounternehmen geben hier oder an anderer prominenter Stelle natürlich auch an, ob sie sich einem Branchenverband angeschlossen haben und so einer freiwilligen Selbstkontrolle ihrer Arbeit unterziehen.

Und was ist nach der Ansicht des Verbands ein „schwarzes Schaf“?

Wolfgang Spitz: Dazu habe ich ja bereits einige Hinweise gegeben. Zu den „schwarzen Schafen“ zählen sicherlich auch unseriöse Geschäftemacher, die massenweise Mahnungen auf Forderungen verschicken, die vor keinem deutschen Gericht im Klageverfahren durchzusetzen wären, zum Beispiel aus Abofallen oder dubiosen Gewinnspielen. Solche Abzocker setzen auf die juristische Unkenntnis vieler Verbraucher und spekulieren darauf, dass zumindest ein Bruchteil von ihnen zahlt, nur um „Ruhe zu haben“. Diese Abzocker gefährden den Rechtsfrieden, und sie gefährden den guten Ruf unserer Branche. Seriöses Inkasso dagegen hat vor allem die Interessen der Gläubiger im Blick, die eine Ware geliefert oder eine Dienstleistung erbracht haben, und auf die ihnen dafür zustehende Entlohnung warten. Letztlich hängen an solchen offenen Forderungen wirtschaftliche  Existenzen und Arbeitsplätze. Um diese zu sichern, brauchen wir in Deutschland seriöse und effizient arbeitende Inkassounternehmen.